Steinpilz

Mandelbaum Verlag, mandelbaums kleine gourmandisen
Die Kleinodien des Waldes
Die Berichte über erste Pilzsichtungen beginnen sich zu häufen. Eierschwammerln wachsen schon seit ein paar Wochen, auch der Steinpilz durchbricht dieser Tage Hut voran die Waldböden, was wiederum bei passionierten Schwammerlsuchern das bekannte Pilzfieber verursacht. Die Symptome sind bekannt: ungewöhnlich frühes Aufstehen vor Sonnenaufgang. Der Drang, schon in aller Herrgottsfrüh hinaus und in den Wald zu eilen. Plötzliche Verschwiegenheit, was das Ziel der Wanderung anlangt, zumindest das geografische, denn das haptische wird danach stolz in Form möglichst junger, knackiger Pilze hergezeigt.
Dies alles ist Inge Fasan, der Autorin eines eben erschienen kleinen Buches mit Titel ‚Steinpilz‘ aus dem Wiener Mandelbaum Verlag, nur zu bekannt. Sie bekennt, der strengen Fraktion jener anzugehören, die Pilze niemals kaufen, sondern erarbeiten: ‚Um in den Genuss des Steinpilzes zu kommen, muss man, wie ich finde, körperlich arbeiten. Man muss steile Hänge erklimmen. Man muss in gebückter Haltung durch Jungwaldabschnitte kriechen, sich von biegsamen Fichtenzweigen peitschen und von Brombeerdornen zerkratzen lassen. Pilze sind Wunderdinge, Pilze sind kostbar, die Kleinodien des Waldes – und der Steinpilz ist ihr König.‘
Der Lohn der Arbeit erfolgt in Form verschiedenster Delikatessen, vom Steinpilzpulver über Aufstriche, und Soufflé bis hin zu Steinpilz-Nougat-Pralinen, deren Rezepte allesamt so gut klingen, dass man sogleich hinauseilen möchte in den schwammerlgeschwängerten Forst.
Ute Woltron in der Gartenkralle, Die Presse, 2.7.2017
‚Er verdreht mir einfach jedes Mal den Kopf, der Kerl mit dem braunen Hut‘, formuliert es die Autorin und passionierte Pilzsammlerin Inge Fasan, die ihre kultur-, natur- sowie kulinarische Monografie namens ‚Steinpilz‘ (mandelbaums kleine gourmandisen) auch folgerichtig ‚Pilzhuldigungsbuch‘ nennt.
Servus in Stadt & Land 9/20