Eat Hate Love

Mandelbaum Verlag
Mit Beiträgen von Eveline List, Amaryllis Sommerer, Wolfgang Herles, Martina Winkel, Gerd Wolfgang Sievers, Margot Fischer, Katrin Sippel und Evelyne Puchegger-Ebner, illustriert von Linda Wolfsgruber
Dieses Buch ist ein Remedium für einsame Abende, Balsam für nervöse Mägen und eine Anleitung für Trenn-Kost der etwas anderen Art. Hier ist nur äußerst rudimentär die Rede von gesund und ausgewogen und vitaminreich, dafür aber viel von weich und süß, cremig, dann – je nach Phase, die nach dem Verlassen-Werden durchlaufen wird – auch von Zerstampfen und Zerkleinern, Faschieren, Kneten, Zurechtschneiden, Aufspießen und der Garstufe „blutig“.
Der rund 230 Seiten starke Band bietet Labsal auf allen Ebenen: Die edle Ausstattung im Halbleinen-Hardcover ist ein ästhetisches Vergnügen, statt mit Foodfotos ist das Buch mit herrlichen Zeichnungen illustriert, buntes Vorsatzpapier und typophile Gestaltung heben die Stimmung. Die Kochanleitungen werden von geistvollen, oft witzig-bissigen Essays und Short Stories begleitet. Die Kapitel entsprechen den emotionalen Phasen einer Trennung (von Trost über Revanche bis zur Zurückeroberung), die Rezepte selbst variieren zwischen ‚leicht nachzukochen‘ und ‚ambitioniert‘ (man nehme ‚eine mittelgroße Ziege‘). Einige, wie etwa das gedünstete Gürteltier (!), dürften eher kulturhistorisch interessant sein. Ein österreichisch-deutsches Küchenglossar hilft begriffsstutzigen Piefkes auf die Beine.
Sibylle Mühlke in der taz, 17.01.2015